3. Tag: 28.5.16 > Boston (oder: mit den Beatles in Venedig…)

Wir hatten heute 33 Grad (Celcius, nicht Fahrenheit…), gefühlt 40 Grad, wer kann da mithalten? Irgendjemand dabei, der gerade in der Sahara oder im australischem Outback ist? Nein? Okay, dann haben wir gewonnen…

Aber wir sind auch früh los > Frühstück um 7.15 Uhr, dann direkt zum „Freedom Trail“. Rund 5 km lang, und es geht in mehrfacher Hinsicht um Freiheit: einmal um die der protestantischen Puritaner von den weltlichen und religiösen Zwängen der alten Welt, dann natürlich und vor allem um die Freiheit von der englischen Herrschaft, aber auch um die Freiheit der Sklaven. Gleich auf einem der ersten Anlaufpunkte, dem „Granary Burying Ground“, gibt’s die volle Revoluzzer-Ladung: hier liegen zwei der Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung, u.a. Samuel Adams, und auch die Eltern von Benjamin Franklin (er selbst ist in Philadelphia beerdigt).

Und Adams begegnet einem auch wieder auf den nächsten Stationen, dem „Old State House“ und der „Faneuil Hall“ (Fennell gesprochen), denn hier hielt er seine flammenden Reden. So, das war’s jetzt mit dem Geschichtsunterricht, ihr könnt die Hefte wieder einpacken (die Klausur schreiben wir morgen…).

Mit steigenden Temperaturen wurden die Schritte immer kürzer, aber wir haben es wacker durchgezogen, bis zum Ende auf dem „Bunker Hill“. Dafür haben wir uns dann eine kleine Abkühlung gegönnt > Teil der Stadtrundfahrt war nämlich auch eine Hafenrundfahrt.

Die 33-Grad-Nachmittagshitze haben wir dann in der kühlen Wohnung verbracht und sind erst am Spätnachmittag wieder auf Tour gegangen > die Stadtteile Back Bay und North End, und am Charles River entlang. North End sagt hier wohl keiner, sondern „Little Italy“, und das auch zu Recht > wir haben noch nie so viele italienische Restaurants gesehen wie hier, da kommt keine italienische Stadt mit😀😀.

Irgendwann haben wir auch nur noch gegrinst: kaum eine Stelle/Sache/ Ort oder sonstwas, bei der es nicht hieß, dass es „das älteste x in den USA“ oder „das allererste y in Amerika“ war, wahlweise noch das Größte/Kleinste/Breiteste oder Nasseste oder Grünste oder sonst was…

Lustig: es gibt an den Fußgängerüberwegen zwei Audio-Signale: eines mit Maschinenpistolen-Sound ( z.B. In Little Itlay, ein Schelm, wer Böses dabei denkt…), und eines mit dem Ruf des Kuckucks😀😀.

Mein (Alexanders) Highlight heute: wir laufen am Charles River entlang und sehen auf einmal eine Gondel mit „richtigem“ Gondoliere (mit Stab zum rumstochern, Venedig live…). Aber das Schärfste war: vorne saß ein junges Pärchen, und dahinter eine junge Dame mit Violine, die „Eleanor Rigby“ von den Beatles geigte!! Kommentar Marika:“DER lässt sich noch was einfallen für seine Liebste!“ Nur: „Eleonore Rigby“ hat vielleicht mit vielem zu tun, aber bestimmt nicht mit Romantik > „all the lonely People, where do they all come from“, wie romantisch ist DAS denn???

Ich bin der festen Überzeugung, der Typ hatte das Gegenteil vor > er wollte es nur stilvoll machen, nicht Boris-Becker-mäßig per sms den Schlussstrich ziehen. Wahrscheinlich musste die junge Geigerin bei der Ankunft „You can go your own way“ (Fleetwood Mac) fideln, gefolgt von „It’s all over now, Baby Blue“ (Them, eigentlich aber Bob Dylan), und zu guter Letzt „Don’t think twice, it’s allright“ (noch einer von Dylan). So Leute, SO ist das mit der Romantik!!

Also habe ich Marika angeschaut und gesagt:“Ich kaufe dir ein Eis. Aber nur einen Bollen, und den Geschmack bestimme ich!“ Sie hat was von Liebe oder so gemurmelt, während die Geigerin hinter uns AC/DC gefidelt hat („Highway to hell“…).

Und wir zitieren wieder Olaf Schubert: macht was draus…

Karte mit dem Verlauf des Freedom Trails.
Karte mit dem Verlauf des Freedom Trails.

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