Montag, 13.6.16: San Francisco (…un espresso in den „Straßen von San Francisco“)

Heute wird der Blog mal etwas kürzer. Das liegt zum Einen daran, dass wir den Tag SEHR gemütlich begonnen haben, und andererseits wechselten wir am Vormittag erstmal den Standort > während wir die letzten Tage in Daly City wohnten, sind wir jetzt direkt in der Stadt, zwischen Downtown und Golden Gate Bridge.

Jedenfalls könnten wir zu Fuß los und gingen immer an oder parallel zur Lombard Street Richtung Innenstadt > das ist die berühmte Straße, die an einem Teilstück 29% Steigung hat und deshalb über ca. 150 m nur in engen Serpentinen runtergefahren werden kann. Und jeder meint, er muss dies auch tun, obwohl mir vollkommen unbegreiflich ist, wo hier der Fahrspaß sein soll, zumal jeder („take pictures, please“) langsam macht, damit nur ja ein Foto gemacht werden kann. Komplett daneben wird es, wenn der Beifahrer oben am Beginn aussteigt und parallel zu den Serpentinen die Treppe runterläuft und ein Video dreht!!! In den „Straßen von San Francisco“ mit Michael Douglas und Karl Malden ging es jedenfalls anders zu. Und unsere heutige Preisfrage: wie hießen der Lieutenant (Karl Malden) und der Detective (Michael Douglas) in der Serie?

Danach mussten wir uns erstmal stärken, weil das ständige Kopfschütteln über diese Möchtegern-Detectives Energie gekostet hat, und da wir „zufällig“ an „Tony’s Pizza“ vorbei kamen, gab es dazu ja auch das entsprechende Angebot (Nathalie, deinen Tipp werden wir nie vergessen😘).

Hier in Little Italy war es fast merkwürdig ruhig, was nur zum Teil an Tag und Uhrzeit (Montag Mittag) lag; vor einigen Restaurants und Cafés war auch Halligalli > Italien spielte gegen Belgien…

Nach dem Espresso bei „XOX“(😘) wurde dann auch mal „gearbeitet“: Chinatown war schließlich heute unser Ziel. Little Italy und Chinatown gehen direkt ineinander über, so dass wir gleich „loslegen“ konnten. Entgegen unseren vorherigen beiden Besuchen hier haben wir mal einen „offiziellen“ Spaziergang gewählt. Das hatte den Effekt, dass wir auch Dinge sahen und kennengelernt haben, die uns sonst verwehrt geblieben wären oder uns einfach nicht aufgefallen wären. Die schönsten Geschichten sind:

1.) Es gibt eine kleine Bank, im Pagodenstil gebaut, die „East-West Bank“. Sie hat eine witzige Vorgeschichte: zuerst wurde hier die Tageszeitung „Californian Star“ gedruckt. Bis 1949 war hier die Telefonzentrale Chinatowns untergebracht. Wer dort arbeiten wollte, musste nicht nur fünf chinesische Dialekte sprechen, sondern auch – jetzt kommt’s – ALLE Nummern der Anschlussinhaber im Kopf haben, da die Anrufer immer nur  den gewünschten Namen sagten!!

2.) Es gibt heute noch die „Family Benevolent Associations“, das sind Familienorganisationen, bei der jeder mit dem entsprechenden Namen Unterstützung bekommen hat, z.B. alle Wangs, alle Engs usw.; wer also aus China kam, hatte hier einen ersten Anlaufpunkt. In der Waverly Street  (auch „Straße der bemalten Balkone“ genannt) findet man eine Association neben der anderen.

3.) Wir waren in einer Glückkeksfabrik!! Wobei Fabrik sich groß anhört > es ist ein schmales Gebäude von vielleicht 4 m Breite, vorne ein kleiner Verkaufsbereich, dahinter zwei Arbeitsplätze, an denen am Fließband die Glückskekse zusammengefaltet wurden. Die Fließbänder waren vom optischen Eindruck her einige Jahrzehnte alt, aber: es funktioniert wie am Schnürchen (oder heißt es jetzt besser wie am „Bändchen“…?).

Unser Gesamteindruck: wir haben inzwischen schon einige Chinatowns kennengelernt, und hier waren wir nun das dritte Mal. Keine der anderen Chinatowns ist so lebendig, so „chinesisch“ wie diese hier in SF. Hier wird gearbeitet, gehandelt, gelebt. Natürlich gibt es den touristischen Teil, aber auch hier merkt man den Unterschied: nirgendwo werden so viele historische Punkte/Orte gezeigt wie hier, nirgends gibt es so viele geführte „Streetwalks“ wie hier. Und als letzten Beweis dafür diente uns eine Busfahrt > wir waren nach Chinatown am Union Square, wollten dort ein Weinchen trinken, was wir bei einem Preis pro Glas zwischen 15 und 20 Dollar ließen. Wir haben uns einen passenden Bus zurück ins Motel rausgesucht und dieser Bus fuhr durch Chinatown > der Bus war rappelvoll, und fast ausschließlich mit Chinesen besetzt. Nach Chinatown war der Bus leer…

Wir hatten erzählt, dass wir an unseren Hochzeitstag versuchten, im „Scoma’s“ essen zu gehen. Was wir nicht erzählt hatten: zum Ausgleich hatten wir für heute Abend reserviert. Wir machen uns ja manchmal lustig über diejenigen, die ihr Essen fotografieren und dann irgendwo posten. Das werden wir auch weiterhin nicht tun, aber wert wäre es gewesen > selten eine so schmackhafte Seafood-Platte gegessen. Ihr kennt inzwischen die Abteilung „Wenn ihr mal …“ > ein Besuch im „Scoma’s“ ist ein Muss.

Unser heutiges Highlight: wir waren ja nach Tony’s Pizza in dieser kleinen Espressobar (ebenfalls in Little Italy), wo man zum Espresso einen kleinen Trüffel erhält (heute: einmal „Spicy Tequila“ und einmal „Espresso“). Der Besitzer ist gerade dabei, neue Trüffel zuzubereiten. Wir loben ihn, dass wir bei ihm den besten Espresso bekommen, den wir bisher in den Staaten hatten. Er stimmt uns zu, dass die meisten amerikanischen Espressi sehr hart und bitter schmecken, er bereite lieber den Espresso nach europäischer Art zu, zudem: er sei schließlich aus Frankreich, und da wolle er doch lieber einen französischen Espresso anbieten. Den Rest könnt ihr euch vielleicht vorstellen: Abgleich, wer von wo kommt (er aus Valence, die Eltern in Rente in der Camargue), und natürlich alles nur noch in französisch. Man hat ihm die Freude deutlich angemerkt, und uns glaube ich auch. Zum Abschied ein „A demain“ und ein „Bonne journeé“.

Voilà, la vie est belle!!

Die Lombard Street von unten, man kann die Serpentinen erahnen.
Die Lombard Street von unten, man kann die Serpentinen erahnen.
Der Espresso bei "unserem" Franzosen...
Der Espresso bei „unserem“ Franzosen…
Wir sind in Little Italy, da ist "Columbus Street" zu amerikanisch.
Wir sind in Little Italy, da ist „Columbus Street“ zu amerikanisch.
Die Pyramide und das Flat Iron Building.
Die Pyramide und das Flat Iron Building.
Chinatown.
Chinatown.
Es dauert eine Zeit lang, bis man die Straßen auseinander halten kann.
Es dauert eine Zeit lang, bis man die Straßen auseinander halten kann.
Eine der Family Associations > die Familie der Wangs.
Eine der Family Associations > die Familie der Wangs.
Im obersten Stock ist der Tempel.
Im obersten Stock ist der Tempel.

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Die East-West Bank, die ehemalige Telefonzentrale.
Die East-West Bank, die ehemalige Telefonzentrale.
Eines der Wandbilder, hier Teil 1: Kinder chinesischer Immigranten malten es. Es zeigt, wie sie aus der Heimat weggingen, auf den abgeschossenen Pfeilen steht z.B. Freiheit oder Vertrauen.
Eines der Wandbilder, hier Teil 1: Kinder chinesischer Immigranten malten es. Es zeigt, wie sie aus der Heimat weggingen, auf den abgeschossenen Pfeilen steht z.B. Freiheit oder Vertrauen.
Teil 2: hier sieht man, wie die Pfeile das Auswandererschiff als Rosen erreichen mit Begriffen wie Glück, Familie usw.
Teil 2: hier sieht man, wie die Pfeile das Auswandererschiff als Rosen erreichen mit Begriffen wie Glück, Familie usw.

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Die Glückskeksfabrik. Übrigens: Mo hat sich als einzige gemeldet, dass sie stolperfrei die Sache mit dem Glückskeks aufsagen konnte > Sie hat gewonnen.
Die Glückskeksfabrik. Übrigens: Mo hat sich als einzige gemeldet, dass sie stolperfrei die Sache mit dem Glückskeks aufsagen konnte > Sie hat gewonnen.
Selbst die Straßenschilder sind zusätzlich in chinesisch.
Selbst die Straßenschilder sind zusätzlich in chinesisch.

2 Gedanken zu „Montag, 13.6.16: San Francisco (…un espresso in den „Straßen von San Francisco“)“

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