6. Tag (3.9.18): Yosemite – „Clouds Rest“-Trail (von Schnittverletzungen am Heiligabend in Cochem und Bauarbeitern, die in Tequila bezahlt wurden…)

Das war die anstrengendste Wanderung ever!!! Aber: auch eine der allerschönsten…😁. Eigentlich war das schon vorher klar, weil im Buch „California Hiking“ dieser Trail nicht nur 10 von 10 Punkten erhielt, sondern die Zusatzbewertung „Best“. Für mich am überzeugendsten war aber die Formulierung in der Trailbeschreibung: „The View from the top of Clouds Rest will knock your socks off (hope you brought along an extra pair). Brav wie ich bin, habe ich das auch gemacht (ich hatte WIRKLICH ein zweites Paar dabei >  Marika bezeichnet mich als Socken-Phobiker…).

Aber erst mal die Fakten: 24 km, 800 Höhenmeter > laut meiner Health-App bin ich 172 Stockwerke gestiegen 😁.

Der Trail hatte 4 Parts/Sektionen: Part 1 war easy-going, relativ flach, aber ganz schön und ich war seeehr gut gelaunt (was kostet die Welt…).

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Sektion 2: da hatte ich in mehreren Beschreibungen  zusammengefasst eines gelesen: wenn man den hinter sich hat, ist alles okay > 300 Höhenmeter auf knapp einer Meile, und fast überwiegend über Steinplatten, angelegt wie Treppen (wenn es nur welche gewesen wären…). In einer Beschreibung stand, dass dieser Part wohl von einem Unternehmen angelegt wurde, dessen Arbeiter in Tequila bezahlt worden sein müssen 😂.

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In der Mitte Tenaya Lake, mein Ausgangspunkt.
In der Mitte Tenaya Lake, mein Ausgangspunkt.

Sektion 3 ging rauf und runter (natürlich mehr rauf…), meist durch Wälder, aber je höher es ging, gab es immer mehr wunderschöne Aussichten.

Mein Ziel ist schon in Sicht > Clouds Rest.
Mein Ziel ist schon in Sicht > Clouds Rest.
Blick auf die Cathedral Range, alles 3-4.000er.
Blick auf die Cathedral Range, alles 3-4.000er.

Und dann der letzte Teil Sektion 4; ein Wanderer, der mir entgegenkam, meinte: wenn ich an den Rocks wäre, würde alles easy gehen. Und das hier war der Beginn der Rocks:

Der letzte Anstieg.
Der letzte Anstieg.

Aber es ging tatsächlich richtig einfach, alleine schon, weil – je höher Du kommst – das volle Panorama mehr und mehr in Sicht kommt. Trotzdem musste man schon aufpassen: der Aufstieg war zwischen 6 und 10 m breit, rechts und links ging es runter…

Und dann: ein gigantischer Blick!!

Ein absoluter WOW-Anblick!!
Ein absoluter WOW-Anblick!!
Isch hanns geschafft!!
Isch hanns geschafft!!

Und jetzt noch ein paar Panorama-Bilder, die ich nicht in den Status gestellt habe:

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Und noch was zum genaueren Hinschauen: ich habe den Zoom der Kamera voll auf den Half Dome gestellt. In der Bildmitte sieht man eine dünne Linie, die sich fast senkrecht nach oben zieht > das ist das Seil, an dem sich die Leute zum Half Dome raufziehen. Selbst in dem Hiking-Buch steht sinngemäß drin, wer denn so was Blödes mache > von da oben könne man ja schließlich nicht den Half Dome sehen…😁😁

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Achja, Socken > der Anblick haut einem wirklich aus den Socken. Es ist eine 360°-Sicht vom Allerfeinsten, eben nicht nur das Valley mit Half Dome, El Capitan, Sentinel Dome, North Dome und und und; sondern auch nach Norden mit Mt. Hoffman und Tuolumne Peak und Tuolumne Meadow, im Osten die Cathedral Range, im Westen Mt. Watkins, und überhaupt: die gesamte High Sierra ist wunderwunderschön!!

Und das Highlight des Tages?

Passierte auf dem Rückweg > es war ja schon Nachmittag, trotzdem kamen vereinzelt immer noch Wanderer Richtung „hoch“, einer stoppte und fragte mich, ob es nicht sein könne, dass er mich gestern in den White Mountains gesehen habe. Ich verneinte, und er erkannte am Akzent den Deutschen in mir, und er redete richtig gutes Deutsch > er (Norman) hat jahrelang in Zürich gearbeitet (ja, Schwizzer Düttsch ging auch noch gut), und ist jetzt (er ist in meinem Alter oder auch etwas älter) „Student-Ranger“!!

Und dann erzählte er, dass er vor allem deshalb so gut Deutsch könne, weil er seinen Bruder oft besucht habe, der in Cochem an der Mosel 10 Jahre als Krankenpfleger gearbeitet habe, und er hätte mal an Heiligabend mit einer tiefen Schnittverletzung ins Krankenhaus gemusst > und in diesem Krankenhaus habe ich mal Anfang der Nuller-Jahre eine OP-Analyse gemacht; so klein ist die Welt…😁😁

An dieser Stelle herzlichen Dank an Bernd und Gisi für eure Kommentare!! Und zum Kommentar von gestern (dass ich aus den kleinen Begebenheiten des Tages immer etwas mache): die Natur hier ist Weltklasse, aber am schönsten ist die Suche nach den Kleinigkeiten, dem Schönen, dem Witzigen, dem Drolligen, und ich bin immer wieder erstaunt, wieviel einem über den Weg läuft, wenn man den Kopf dafür frei hat. Und leider hat man den im Alltag viel zu selten frei…

Liebe Grüße an alle!!

Alexander

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