7. Tag (4.9.18): Yosemite – Cathedral Lakes-Trail (über „die Jugend von heute“, Testosteronspiegel und Modern Talking als Sterbehilfe…)

Gemütlich losgelegt, heute lag ja keine Gewalt-Tour vor mir, sondern „nur“ der Trail zu den Cathedral Lakes mit 11 km (hin und zurück). Auf dem Weg zum Trailhead gab es schon zwei berichtenswerte Dinge:

1) kurzer Halt am Tenaya Lake, meinem gestrigen Startpunkt zu Clouds Rest. Er ist benannt nach dem Häuptling der Ahwahnee-Indianer, und liegt schon auf knapp 2.500 m, trotzdem waren ein paar Mutige auf dem Wasser. Es ist einfach ein wunderschöner See…

Tenaya Lake
Tenaya Lake
Tenaya Lake Richtung Westen
Tenaya Lake Richtung Westen

Und direkt auf der anderen Straßenseite war der Übungshang für die Nachwuchs-Climber, die Huber-Buam von morgen…

Mal wieder sind die Climber nur schwer zu erkennen...
Mal wieder sind die Climber nur schwer zu erkennen…

2.) eine gute Tat!! Kurz nach dem Tenaya Lake liefen zwei ca. 30-jährige Männer an der Straße entlang und hielten den Daumen in den Wind, beide schwer bepackt mit Overnight-Ausrüstung. Also angehalten und gesagt, dass ich sie bis zum Trailhead zu den Cathedral Lakes mitnehmen könne. Das nahmen sie gerne an und erzählten, dass ihr Wasserfilter geborsten sei und sie deshalb nach Tuolumne Meadows müssten und zudem ein neues Wilderness Permit holen (man darf hier nicht einfach im Freien übernachten…). Sam und Peter stammen beide aus Kalifornien, Sam vom Lake Tahoe, Peter aus Sacramento, und beide machen jedes Jahr eine mehrtägige Tour in der High Sierra. Und da wir gerade am babbeln waren, habe ich die paar Meilen noch drangehängt und sie an die Ranger Station gebracht, das hat ihnen laut Peter insgesamt mind. 3 Stunden gespart.

So, das muss mir doch mindestens eine Stufe auf der Karma-Leiter einbringen, oder?? Wobei ich aber auch an den (klasse) Bruce Springsteen-Song „Ein Schritt vor und zwei zurück“ denken musste; hierzu gibt es übrigens eine richtig gute deutsche Fassung, von Ulla Meinecke.

Dann zurück Richtung Trailhead, an Tuolumne Meadows vorbei (hier war ich 1991 schon mal wandern!!), diese „Wiese“ ist einfach immer wieder schön…

Tuolumne Meadows
Tuolumne Meadows

Der Weg fing mit einer satten Steigung an, aber nach ca. 1 Meile nur noch sanft, teilweise eben, genau richtig, um die Gedanken schweifen zu lassen über solch existentielle Fragen wie:

a) wie verhindert man, dass Bayern München die nächsten 40 Jahre Meister wird?

b) wären die Beatles nochmals gemeinsam aufgetreten, wenn John Lennon nicht erschossen worden wäre?

c) macht es Sinn (wenn man auf der Intensivstation liegt und es geht dem Ende zu), dass man vorab in seine Patientenverfügung reinschreibt, dass in den letzten Stunden Musik von Modern Talking gespielt werden soll, weil man dann WIRKLICH leichter von dieser Welt geht bzw. gehen will?

Apropos Gedanken: mir ist rückblickend zu der Tour von gestern (Clouds Rest) deutlich geworden, an was man denkt und an was man NICHT denkt, wenn man im Eimer ist und total durstig > man denkt: kaufe ich mir an der Tanke in Crane Flat eine Cola oder einen O-Saft, oder beides, und was trinke ich zuerst. An was man nicht denkt: an Sex. Ich habe hierzu eine Theorie, wieso das so ist (und sein muss): in dem Moment, wo man mit dem Abstieg vom Gipfel beginnt, synchronisiert sich der Testosteronspiegel mit den Höhenmetern, d.h. mit jedem Meter runter nimmt auch der Testosteronspiegel ab. Das ist – aus wissenschaftlicher Sicht – die einzig mögliche Erklärung…

Okay, zurück zum Thema: nach knapp 2 Stunden erreichte ich den Lower Cathedral Lake unterhalb des Cathedral Peek (3.300 m). Kurz vorm See erhaschte ich einen Blick auf die Spitze von Clouds Rest > der Berg machte seinem Namen alle Ehre, und ein kleines Gewitter oder eher ein starkes Gegrummel im Himmel waren die Folge. Ich hoffe, dass trotz des eingetrübten Wetters die Schönheit des Sees raus kommt.

Clouds Rest in Sicht.
Clouds Rest in Sicht.
Lower Cathedral Lake.
Lower Cathedral Lake.

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Und darüber thront der Cathedral Peek mit seinen 3.300 m...
Und darüber thront der Cathedral Peek mit seinen 3.300 m…
...und der Rest der Cathedral Range.
…und der Rest der Cathedral Range.
Noch einen letzten vom See.
Noch einen letzten vom See.

Dann doch eher als geplant auf den Rückweg gemacht und auch nicht mehr zum Upper Cathedral Lake gewandert, weil ich nicht wusste, wie sich das Wetter weiter entwickelt. Und auf dem Weg „runter“ ist mir etwas bewusst geworden oder einfach nur deutlicher aufgefallen, was ich in den letzten Tagen zwar bemerkt hatte, aber eher unbewusst: gute zwei Drittel aller Wanderer sind junge Menschen zwischen 17/18 und ca. 30 bis 35 Jahren. Und nur ein einziger hatte die Stöpsel im Ohr!!

Wer also gerne über „die Jugend von heute“ mault und schwadroniert > alles Quatsch!! Die sind nicht anders als wir damals, und wir waren auch okay (gut, der ein oder andere war damals nicht okay und ist es auch heute nicht, aber das ist eine andere Geschichte…).

Auf dem Heimweg über die Tioga Road durch einen 10-minütigen Sommerregen gefahren, die Temperatur fiel auf unter 20° C, und unten im Valley und „zuhause“ in Mariposa waren es dann satte 35° C !!

Wie sagt Olaf Schubert immer: Macht was draus…

Liebe Grüße, Alexander