6.9.18 (9. Tag): Yosemite Valley (über streitsüchtige Indianer, die Bewunderung für Menschen, die einen öden Job haben und: „Vergiss die Beleidigungen!“)

„Eigentlich“ wollte ich mir einen laschen, faulenzerischen Tag im Valley machen, am Ende waren es dann doch 17 km…, und warum? weil ich jeden Abstecher vom Valley Loop Trail gelaufen bin, um zu gucken, was da kommt, als wollte ich das Tal neu vermessen😁. Das hat aber dazu geführt, dass ich auch einige Ecken sah, die ich bisher nicht kannte, z.B. das Museum (braucht man nicht schauen…), oder die Ansel Adams Gallery (er war ein begnadeter Fotograf), den kurzen Weg zu den Yosemite Falls, und sogar ein „Indian Village“ > im Valley siedelten 4.000 Jahre lang die Ahwahnee und die Miwok, bevor sie wie überall ausgelöscht wurden. Die Indianer kannten sogar die Sauna, also > wer hat’s erfunden? nein, nicht die Finnen, nicht die Schweizer…😁😁

Indianische Sauna.
Indianische Sauna.

Und dann mit meinem Rundweg begonnen, mit einem – wie soll es auch anders sein – Foto vom Half Dome:

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Und natürlich gibt es hierzu eine schöne (Indianer-) Geschichte: vor langer, langer Zeit waren zwei Wanderer hier unterwegs: Tissiak und ihr Ehemann Tokoyee. Sie stritten so heftig miteinander, dass er sie schlug, woraufhin sie  ihm ihre Schüssel mit den Eichelkörnern entgegenwarf. Und als sie sich so gegenüber standen, wurden sie wegen ihrer Streitsüchtigkeit in Stein verwandelt > die Schüssel (umgestülpt) ist der Basket Dome (daher der Name!!!), er ist der North Dome, und sie (Tissiak) ist der Half Dome mit den versteinerten Tränen…

Erster Stop: die Yosemite Falls (Upper und Lower Yosemite Fall). beide zusammen bilden den größten (=längsten??) Wasserfall der USA, aber: es kommen gerade mal ein paar wenige Tropfen unten an, weil – das wusste ich gar nicht – der Yosemite Creek sich ausschließlich aus Wasser der Schneeschmelze speist, und die ist im September halt ziemlich rum…

Upper Yosemite Fall: wenn von oben nix kommt...
Upper Yosemite Fall: wenn von oben nix kommt…
Lower Yosemite Fall:... dann kann unten auch nicht mehr viel fließen.
Lower Yosemite Fall:… dann kann unten auch nicht mehr viel fließen.

Also weiter Richtung El Capitan, und dabei einfach mal durch „Camp 4“ gelaufen. Dieses Camp hat eine eigene Geschichte: es liegt unterm El Capitan und war deshalb immer der (wilde) Campingplatz der Climber, bis man es verbot. Das hat natürlich nicht geklappt, also hat man daraus nun ein offizielles Camp gemacht > die Climber (und ihre Zuschauer) bringen sehr viel Aufmerksamkeit und eben auch Geld ins Valley.

Und was ist das Grundtraining der Climber? > Slacklining! Und da jeder weiß, was das ist, baucht man ja nicht zu betonen, dass es Seiltanzen ist (auf einem losen Seil, kein gespanntes Seil…).

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Weiter gehts über die Meadows Richtung El Capitan:

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Und dann fand ich einen kleinen Trail, der immer am oder in der Nähe zum Merced River verlief. Der Merced River heißt eigentlich River of Mercy, und ich bin in diesen Fluss verliebt!! Deshalb nun einige Bilder davon:

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"Three Brothers", ein schöner, passender Name (gut, könnte auch "Three Sisters" heißen...😁)
„Three Brothers“, ein schöner, passender Name (gut, könnte auch „Three Sisters“ heißen…😁)

Und dann etwas aus der Kategorie: 100 Dinge, die man getan haben muss, bevor… > dazu gehört für mich ein Bad im Merced River!!

Das Wasser war übrigens sehr angenehm...
Das Wasser war übrigens sehr angenehm…
Und dann im Merced River stehend El Capitan fotografiert.
Und dann im Merced River stehend El Capitan fotografiert.

Dann musste ich mich doch mal langsam auf den Rückweg machen, zumal ich eines nicht wusste: die Hauptsaison ist vorbei, und dann fährt der Shuttle-Bus im Valley nicht mehr die große Runde am El Capitan vorbei, also: alles zurück laufen!! Aber das ermöglichte mir noch weitere richtig schöne Aussichten:

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Auf dem Weg zum Valley und zurück nach Mariposa gibt es zwei Baustellen, wo man nur eine Spur zur Verfügung hat und dem Auto mit der Schrift „Follow me“ hinterherfahren muss, davon eine Baustelle zwischen Midpines und Mariposa, wo ich untergebracht bin. An beiden Enden steht jeweils ein / eine MA mit dem Schild „STOP“ bzw. „SLOW“, und sowohl vorgestern, gestern als auch heute waren es jeweils DIESELBEN Personen, die dies machten, morgens und abends. Ich winke jedes Mal, und sie winken jedes Mal zurück, offensichtlich froh, dass sie außer da stehen und das Schild hochhalten auch mal etwas anderes tun können, oder einfach nur: dass sie bemerkt werden, und Gott sei Dank machen es auch andere. Die beiden haben meine ganze Bewunderung > das muss man erstmal hinkriegen, das jeden Tag Stunde über Stunde zu tun. Und komm mir jetzt niemand mit: besser ein Job als gar nichts, oder sie hätten halt was anständiges lernen sollen oder oder oder… Morgen werde ich sie wieder grüßen!!

Das „Highlight des Tages“ geschah auch auf einer dieser Baustellen > ich kam nicht mehr durch und wusste, dass es nun ca. 10 min. dauert. Ich also mal rumgepfriemelt > Handy an Auto-Musikanlage gekoppelt. Und dann kommt als erstes ein Lied, das ich sehr schätze und schon lange nicht mehr gehört habe > „Everybody’s free to wear Sunscreen“ von Baz Luhrmann. Und es hat mich – wie immer – direkt zum Lachen gebracht, und zum Nachdenken.

Eigentlich ist es kein richtiges Lied, eher ein Sprechgesang oder eine Art Gedicht mit Musikuntermalung. Baz Luhrmann ist kein Musiker, sondern ein begnadeter Regisseur, z.B. von „Romeo und Julia“ oder „Moulin Rouge“ (einer meiner Lieblingsfilme > hierin hat er -zig Popsongs eingearbeitet, ein Genuss!!).

Dieser „Song“ ist aufgebaut als Ansprache an eine Abiturklasse. Er beginnt damit, dass man „Sunscreen“ vertrauen soll, weil dies ja wissenschaftlich erprobt sei, während der Rest seiner Ratschläge lediglich auf seiner eigenen, oft verwickelten Lebenserfahrung beruht. Aber diese Ratschläge würde er der Klasse nun trotzdem geben.

Und dann kommen Empfehlungen, Tipps, Ratschlage, z.T. zum Wegschreien, z.T. zum Grübeln, z.T. zum Schmunzeln, in der Art von

+ „Sie sind nicht so fett wie Sie glauben.“

+ „Gehen Sie niemals fahrlässig mit den Herzen anderer Menschen um, und meiden Sie Personen, die fahrlässig mit Ihrem Herzen umgehen.“

+ „Tanzen Sie, und wenn es nur zu Hause in Ihrem Wohnzimmer ist.“

+ „Lesen Sie keine Schönheitsmagazine – Sie werden sich danach nur häßlich fühlen.“

+ „Verschwenden Sie keine Zeit auf Eifersucht. Sie werden mal vorne liegen und mal weiter hinten. Das Rennen geht über lange Distanz, und im Endspurt sind Sie ihr einziger Gegner.“

Meine zwei derzeitigen Favoriten (das wechselt immer wieder mal > der ganze Text hängt an meinem Badspiegel…) sind folgende:

+ Derzeit Nummer 2 auf meiner Rangliste: „Begreifen Sie, daß Freunde kommen und Freunde gehen. Aber für die Handvoll echter Freunde: bleiben Sie dran. Arbeiten Sie zäh daran, Entfernungen geographischer oder sozialer Natur zu diesen Menschen zu überbrücken. Denn je älter Sie werden, um so mehr brauchen Sie die Menschen, die Sie gekannt haben, als Sie noch jung waren.“

+ Und Nummer 1, und das schon von Anfang an, weil ich immer wieder – auch heute – laut lachen muss, wenn ich es bewusst registriere: „Erinnern Sie sich an jedes nette Wort, das man Ihnen sagt, und vergessen Sie die Beleidigungen. Und wenn Ihnen das gelingt, sagen Sie mir bitte, wie man das macht.“

Wer den kompletten Text haben möchte > gebe ich gerne weiter, da stehen noch andere klasse und lustige Sachen drin!

Morgen plane ich eine Tour auf den „Tokoyee“ > und da ihr ja alle interessiert und aufmerksam mitgelesen und euch Notizen gemacht habt für die Abschlussprüfung, wisst ihr ja, auf welchen Berg ich morgen will, gell!!

Bis morgen, ihr Lieben!!

Liebe Grüße, Alexander

 

 

 

2 Gedanken zu „6.9.18 (9. Tag): Yosemite Valley (über streitsüchtige Indianer, die Bewunderung für Menschen, die einen öden Job haben und: „Vergiss die Beleidigungen!“)“

  1. Hallo Alexander!
    Was für schöne Bilder!
    WIE hälst du das aus,jeden Tag so beeindruckende Landschaft?
    Du gehst bestimmt jeden Abend sehr glücklich ins Bett!
    Einfach wunderbar!Ich verfolge Deinen Block,Du schreibst „herrlich“!
    Ich drück Dich,und pass auf dich auf!
    Morgen geht es ab nach Mallorca!Liebe Grüsse Heike

    1. Liebe Heike,
      das Tolle ist: es ist wirklich so schön, wie es auf den Bildern aussieht!! Ich genieße bisher jeden Tag, außer das Marika nicht mit dabei ist, aber: c’est la vie…
      Und es freut mich, dass Dir mein Blog so gut gefällt, es macht mir auch Spaß, ihn zu schreiben.
      Euch wünsche ich richtig viel Spaß und Erholung auf Mallorca!!
      Liebe Grüße und sei ebenfalls lieb gedrückt!!
      Alexander

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