12.9.18 (15. Tag): Mount Shasta – Humboldt Redwoods State Park (über amerikanische Sütterlin-Schrift, Fire Fighters brauchen auch Schlaf, und: „Ich küsse nicht deinen Hintern“…)

Es war die richtige Entscheidung, auf den Mount Eddy-Trail zu verzichten und gleich Richtung Pazifik-Küste zu fahren > der Hauptgrund war ja, dass man vom Mount Eddy den Mount Shasta so gut sehen kann, aber: Mount Shasta war heute überwiegend in Wolken gehüllt. Also dem Navi gefolgt, nur war die vorgeschlagene Straße gesperrt > mit einem Seil!!
Dann halt zurück, dieses Mal auf die Interstate 5, die hatte aber einen Vollstau aufzuweisen, also runter > nächste Straße gesperrt, und die übernächste durch die Fire Fighters blockiert… Es war wie verhext. Also einen richtig großen Umweg gemacht, zuerst Richtung Oregon, und dann 100 Meilen (immerhin 160 km !!) ausschließlich durch Wald, mal hoch, mal runter, mal rechts, mal links.
Aber das brachte mir meinen zweiten Bären!!! Ich fahre so vor mich hin, sehe das dritte oder vierte Mal eine Rehmutter mit Kitz an oder auf der Straße, und denke noch, wie es denn mit Bären aussieht > da steht doch tatsächlich einer an der Seite, guckt mich 3-4 Sekunden an, dreht sich um und verschwindet trottend in den Büschen. Ich war ihm wohl zu langweilig. Ich sollte umschulen > Bären-Scout…

Auf dieser Strecke sah ich – wieder mal – unzählige Feuerwehrautos, zudem so eine Art Headquarter, und sehr interessant: es wurde ein eigenes Gebiet an einem Stausee eingerichtet als Schlaf-Areal für die Fire-Fighters. Man denkt erstmal gar nicht daran, dass man für die Helfer eine Infrastruktur aufbauen muss, die kommen ja teilweise von sehr weit her. Ich bin an einer Einmündung vorbeigefahren, aus der gerade ein Feuerwehrauto raus wollte und in meine Richtung fuhr > der Fahrer sah hundemüde aus und ist dann auch in dieses Schlaf-Areal eingebogen, und nach ihm noch zwei weitere Wagen.

Auch Fire-Fighters brauchen mal Schlaf.
Auch Fire-Fighters brauchen mal Schlaf.

Und das mit dem Wald ging so weiter bis kurz vor der Pazifik-Küste, kaum zu glauben. Ortschaften gab es alle ca. 50 Meilen, also alle 80 Kilometer!! Darunter in Weaverville auch eine richtig gute Bar / Café, und ein Hotel zum Kaufen > wie kann man in dieser vollkommenen Abgeschiedenheit auf so einen Namen kommen, das kann  ja nicht laufen…😁

Warum nicht gleich "Hotel Las Vegas" oder "Ritz Weaverville"?
Warum nicht gleich „Hotel Las Vegas“ oder „Ritz Weaverville“?

Die Strecke ist aber nie langweilig geworden, man muss sich halt daran gewöhnen, dass es nur Gegend und kaum Orte gibt. Nur: was macht die Jugend eigentlich hier?? Wohin gehen die??

Trinity River
Trinity River
Und nochmals Trinity River.
Und nochmals Trinity River.

Bei Arcata an der Pazifik-Küste angekommen, aber es gibt noch keine Bilder vom Pazifik, erst morgen> hier gibt es vorgelagerte Sandbänke, die Fotos wären also ohne „optical thrill“…

Und dann auch schon an meinem Ziel angekommen, dem Humboldt Redwoods State Park, einer der größten Ansammlungen an Redwoods. Und: wer kennt noch den Unterschied zwischen den Sequoia-Bäumen und den Redwoods? Rischdisch > die Sequoia sind dicker / mächtiger und älter, die Redwoods werden größer (und „nur“ 2.000 Jahre alt…). Ich bin 2016 schon mal mit Marika die „Avenue oft the Giants entlanggefahren, über 50 Kilometer durch Redwoods, und es war wieder genauso beeindruckend…

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Man sieht immer wieder solch alte US-Cars.
Man sieht immer wieder solch alte US-Cars.
Das Wurzelwerk eines Redwoods.
Das Wurzelwerk eines Redwoods.

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Der Eel River (also: Aale > ich bade nicht darin...😁)
Eel River (also: Aale > ich bade nicht darin…😁)

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Und nochmals der Eel River.
Und nochmals der Eel River.

Ich wollte eigentlich südlich vom Park in Garberville übernachten, aber kurz vor Ende des Parks, in Miranda, einem Weiler mit ca. 25 Häusern, sehe ich den Hinweis auf „Cottages“, und fragen kostet ja nix > Jackie, die Besitzerin, so 75- 80 Jahre alt, hat auch noch was frei > ein kleines Cottage unter Redwood-Bäumen. Das Beste daran ist: einer der Redwoods ist im Laufe der Jahrzehnte so gewachsen, auch im Umfang, dass er die Dachrinne berührt und bei jeder Windbewegung ein Knarren verursacht. Und hier geht immer etwas Wind, ich werde also von einem Redwood in den Schlaf gewiegt (oder gewogen??, der Saarländer in mir würde jetzt sagen: „gedingst“…).

Meine Unterkunft unter den Redwoods.
Meine Unterkunft unter den Redwoods.
Und abends auch mit Licht...😁
Und abends auch mit Licht…😁

Und das Highlight des Tages bzw. der Gag des Tages ist eben auch Jackie: sie nimmt meine Kreditkarte und den Personalausweis, und überträgt alles handschriftlich auf ein Formular, fragt mich dabei mehrfach nach den einzelnen Punkten (was von den Punkten ist der Ort, was die Straße usw.), und ich sehe, dass es keine normale Schrift ist > sie schreibt praktisch das amerikanische Pendant zu unserer Sütterlin-Schrift. Da sie das ordentlich macht, dauert es halt eben länger. Kein Problem, ich habe Zeit, ich habe Urlaub…
Aber: als das Formular ausgefüllt ist, schaltet sie den Rechner an und überträgt jeden einzelnen Punkt im Rechner in entsprechende Formularfelder!!!!! Sie gehört zu den Damen, die man nicht danach fragt…

Und jetzt noch eine Frage an die Burger-Spezialisten: was ist das Unnötigste an einem Burger? Genau > der Deckel. Was soll man damit?? Und gegenüber meiner Unterkunft gibt es ein Restaurant (das einzige weit und breit…), das mir bisher als einziges Etablissement im Burger-Universum einen Burger serviert hat, wo der Deckel zwar auf dem Teller ist, aber neben dem Burger liegt > wie wenig ein einfach gestrickter Mann doch braucht…

Achja, noch ein Nachtrag für alle Pflegekräfte > hatte ich ganz vergessen zu erzählen: in Chester (Lassen Volcanic Park), saß in der Kneipe abends eine Pflegekraft eines ambulanten Dienstes. Sie hatte ein Sweat-Shirt an mit dem Aufdruck auf dem Rücken: „Trained to save your ass. Not kiss it!“ Ich stelle mir gerade vor, wie das bei uns rüberkäme. Sollte ich vielleicht ins Seminar “Kundenorientierung” mit aufnehmen…

Ich freue mich auf den Trail in den Redwoods morgen…

Liebe Grüße an alle

Alexander

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