18.9.18 (21. Tag): San Francisco (über die Liebe, Menschen ohne Oberkörper und: „Ich bin Friseur, kein Magier!“)

Das war heute der Tag mit meiner höchsten Laufleistung > 24 km !!!!

Ich hatte es mir aber schon fast gedacht, als ich mir den Plan machte > zum Golden Gate Park mit dem Bus, dann im Park einige Punkte (siehe unten), dann über den Costal Trail zum Presidio, über Crissy Field in die Stadt…

Und: es war ein klasse Tag! Auch wenn er wieder (San Francisco-typisch) mit Nebel begann. Erste Station war der Golden Gate Park, und dort drei Ziele: das AIDS-Memorial, der Botanische Garten, und das De Young Museum.

Die Gedenkstätte für die AIDS-Opfer ist als Hain angelegt > National AIDS Memorial Grove, ein richtig schön angelegter stiller Platz, eine kleine Oase in der großen, damals unter Präsident Clinton umgesetzt, vor allem aber erreicht durch Nancy Pelosi, die lange Zeit die Fraktionsvorsitzende der Demokraten im Repräsentantenhaus war.

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Hier sind - von der Mitte ausgehend - Namen von AIDS-Toten aufgeführt, aber auch der Helfer und der unterstützenden Unternehmen und Organisationen.
Hier sind – von der Mitte ausgehend – Namen von AIDS-Toten aufgeführt, aber auch der Helfer und der unterstützenden Unternehmen und Organisationen.

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Beim Weitergehen dann dieses Warnschild gesehen:

Kojoten-Alarm > in einer 850.000-Einwohner-Stadt!!
Kojoten-Alarm > in einer 850.000-Einwohner-Stadt??

Ich war jetzt bestimmt schon das 4. oder 5. mal im GG-Park, aber immer wieder stelle ich fest, dass es Teile oder Einrichtungen gibt, die ich noch nicht kannte > es gibt einige Tennisplätze (öffentlich), es gibt Gras-Bowling, einen Baseball-Platz (öffentlich) und und und…

Ich glaube, ich spiele lieber Boule...😁😁
Ich glaube, ich spiele lieber Boule…😁😁

Und neu war für mich auch der Botanische Garten > aufgebaut nach Kontinenten bzw. Ländern: es gab eine asiatische Ecke, eine für Südafrika, eine für Australien und Neuseeland, eine für Chile, und einen Bereich, in dem es nur Pflanzen und Gewächse aus Kalifornien gibt. Ich hoffe, die Schönheit des Parks kommt auf den Bildern raus:

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Und ein witziges Foto gibt es auch noch: aus dem Varieté kennt man ja die Frau ohne Unterkörper (halt zersägt, wie es sich gehört…😁), aber dass es auch einen Mann (oder auch Frau??) ohne Oberkörper gibt, war mir neu. Jedenfalls war es so drapiert, dass ich erstmal genauer hinschauen musste:

Ich sollte mich beim Fotowettbewerb anmelden...
Ich sollte mich beim Fotowettbewerb anmelden…

Von meiner dritten Station im GG-Park, dem De Young Museum, gibt es keine Fotos, und das liegt einzig und allein daran, dass ich es mal wieder nicht kapiert habe, was diese zeitgenössischen Bilder, Skulpturen und – ich beginne das Wort zu hassen – „Installationen“ aussagen wollen.

Nördlich vom GG-Park schließt sich das Presidio an, ein riesiges Gelände, das strategisch wichtig am Goldenen Tor liegt und deshalb folgerichtig als Militärareal genutzt wurde, und das schon seit 1776. Und: es gibt einen wunderschönen Trail, der am Cliff House in Lands End beginnt und sich überwiegend an der Küste entlang schlängelt. Der gehörte natürlich mir.

Dabei verlief der Weg auch durch ein Wohngelände, und wenn man die Häuser sah, und vor allem deren Aussicht > auf die Golden Gate Bridge, dann ist klar: hier wohnt RICHTIG viel Geld…

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Trost der Armen: die haben häufig den Nebel, weil sie eben so nah am Pazifik liegen, während von den San Joaquin-Bergen östlich der Stadt das warme Wetter in die City drängt, sodass es häufig dazu kommt, dass die GG-Bridge im Nebel liegt und es richtig kühl ist, während man in der City mit dem T-Shirt rumläuft.

Jedenfalls bin ich das erste Mal von Lands End-Seite aus zur GG-Brücke gelaufen, mit zwar immer noch der gleichen Brücke, aber anderen Ansichten:

Blick vom Baker Beach.
Blick vom Baker Beach.

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Und dann habe ich mich mal wieder verschätzt: ich wollte ja unbedingt noch den Tipp von Nathalie finden (Nathalie, Matthias und Kids haben 3 Jahre hier gewohnt) > Woodline. Und morgens hatten wir noch per Whattsapp die Infos dazu ausgetauscht. Als ich am Lookout-Point für die GG Bridge stand, quasi am nördlichen Ende des Presidio, und die Daten in Google-Maps eingab, sah ich dann, wie verdammich breit dieses Gelände ist (wenn man zu Fuß unterwegs ist…). Aber das hat sich trotzdem gelohnt, denn dadurch bekam ich mal einen Eindruck, was das Presidio eigentlich war und ist > 1776 als Militärgelände gegründet, war es das am längsten genutzte Militärgelände der USA (vorher waren noch die Spanier und die Mexikaner drin). Hier gibt es 870 Gebäude (!!), von denen 470 als historisch gelten (Wikipedia ist manchmal echt Gold wert…😁😁). Heute sind die Gebäude meist vermietet, was dazu führt, dass das Gelände (inzwischen ein Staatspark) sich komplett selbst tragen kann, weil: die ehemaligen Offizierswohnungen, die mit dem Blick auf die Golden Gate Bridge, zählen zu den teuersten Wohnlagen der WELT!!

Und wer wohnt noch drin? Größter gewerblicher Mieter ist George Lucas (der von „Krieg der Sterne“), der seine Firmen inzwischen an Disney verkauft hat. Alleine in seinen Unternehmen arbeiten hier im Presidio 2.500 Menschen.

Jedenfalls geht es rauf und runter, und immer wieder steht an den Gebäuden, wer drin wohnt bzw. was hier angesiedelt ist (ich war im Café des Filmzentrums…). Und auf dem ehemaligen Exerzierplatz spielen heute die Kinder…

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Und wer einen Eindruck davon bekommen will, welchen Bezug die Amerikaner zu ihren Soldaten haben, muss sich mal einen Militär- bzw. Soldatenfriedhof ansehen; und hier im Presidio ist der „National Cimetery“. Auf jedem Grab steht, in welchem Krieg der / die Soldat(in) war, viele waren in zwei Kriegen, z.B. 2. Weltkrieg und Korea-Krieg, oder Korea-Krieg und Vietnam.

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Und dann habe ich auch endlich „Woodline“ gefunden, eine – jetzt kommt es wieder, mein Kunst-Lieblingswort – Installation, diese ist aber einfach witzig und gut gemacht > wie der Name sagt, schlängelt sich eine Holzlinie parallel zur Lovers Lane den Berg hoch zum östlichen Ausgang des Presidio (und warum der Weg „Lovers Lane“ heißt, kommt unten beim Highlight beim Thema „Liebe“…). Liebe Nathalie: vielen Dank für den Tipp!!

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Und dann war ich so ziemlich am höchsten Punkt des Presidio, und es geht hier richtig steil die Straßen hoch!!

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„What goes up, must come down“ heißt es in einem alten Song aus den 60ern, nun ging es vom Presidio richtig steil runter Richtung Crissy Field – und die sportbewussten Kalifornier nutzen diese a….-steilen Treppen zum Trainieren….

Der Nebeneffekt ist: man hat eine grandiose Aussicht auf die Bay, auf Marina District, auf Alcatraz und Angel Island:

Blick auf den Palace of Fine Arts (stand sogar schon vor der GG Brücke).
Blick auf den Palace of Fine Arts (stand sogar schon vor der GG Brücke).
Blick auf Angel Island.
Blick auf Angel Island.
Blick auf Alcatraz.
Blick auf Alcatraz.
Unten angekommen beim Palace of Fine Arts.
Unten angekommen beim Palace of Fine Arts.

Apropos Golden Gate-Brücke: es gab dort ein Foto von 1934, als die Brücke noch im Bau war und Crissy Field kein Erholungsstrand, sondern der Flugplatz für den Presidio:

Der rechte Pfeiler ist schon fertig, der linke am entstehen.
Der rechte Pfeiler ist schon fertig, der linke am entstehen.

Mit letzter Kraft (😁) habe ich mich dann nach Crissy Field geschafft, und dort meinen Altersgenossen dabei zugeschaut, wie sie mit Kite-Boards und Surf-Boards raus aufs Wasser sind (es waren wirklich fast alles Leute deutlich jenseits der 50, keine Jungspunde…).

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Eins von der Brücke muss noch sein...😁😁
Eins von der Brücke muss noch sein…😁😁

Vom Blick her war es eigentlich irre: Du schaust zur Brücke, Du siehst den Nebel, spürst den Wind, und dann drehst Du Dich um und schaust Richtung Downtown, und dort herrscht Sonne und Du weist: dort ist es jetzt richtig warm!!

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Mit allerletzter Kraft (😁😁) habe ich es zum Bus geschafft und bin nach Chinatown, weil: hier geht es ja um eine Challenge!! Sonja hat von ihrer (das wird jetzt schwierig zu erklären…) deutsch-chinesischen Stief-Cousine (oder so ähnlich), die in SF wohnt, das „House of Nanking“ angepriesen bekommen (da war ich ja am Samstag essen…). Marika und ich waren bisher immer – Tipp von Joachim Henze – im „Brandy Ho’s“, einem chinesischen Restaurant, das kompletto ohne Glutamat kocht:

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Sorry, Sonja, Du hast verloren!! Das „House of Nanking“ war wirklich richtig gut, aber „Brandy Ho’s“ war einen Tick besser…
Ihr kennt ja bereits die Abteilung „Wenn ihr mal in xy seid…“ > beide sind ein MUSS. Und da wir gerade beim Essen sind, und tollen Restaurants: in das beste Restaurant konnte ich beim besten Willen nicht reingehen > ins „Scoma’s“, einem Fischrestaurant direkt am Pier (rechts kommt der Fisch an, links wird er verarbeitet). Das wäre dann doch richtiger Verrat an Marika gewesen…

Und dann habe ich es mit allerallerletzter Kraft zum Motel geschafft bzw. in „mein“ Viertel, trinke gerade das dritte Pale Ale, und schreibe frohgelaunt den Blog.

Und was bin ich noch schuldig? Genau, Highlight des Tages und/oder Gag des Tages, und heute gibt es beides.

Dann mal zuerst das Highlight, und das geht über die Liebe (für alle Romantiker, der Rest überspringt und geht gleich zum Gag des Tages…):

Hier kommt Teil 1 zur Liebe: als ich gerade auf dem Costal Trail am Baker Beach ankomme, kreuze ich den Weg eines Hochzeitspaares, das seine Hochzeitsbilder am Baker Beach macht:

Ich habe beiden alles Gute gewünscht. Zur ersten Hochzeit!!😁
Ich habe beiden alles Gute gewünscht. Zur ersten Hochzeit!!😁

Teil 2: Wie schon oben bei der „Woodline“ gefragt: warum heißt die „Lovers Lane“ so?? Man vermutet sogar, dass dieser Weg der älteste Pfad von San Francisco ist. Er verbindet seit 1776 den Presidio mit der Stadt > früher waren das noch deutlich getrennte Areale. Seit den 1860er-Jahren wurde der Pfad die Hauptverbindung, wenn die Soldaten in ihrer Freizeit in die Stadt zu ihrem Sweetheart wollten, deshalb: Lovers Lane.

Teil 3: Und der beginnt mit einer Quiz-Frage > in welchem romantischen Schnulzen-Film spielt eine Bank eine Rolle, in der ein Mann seine Liebe zu seiner Frau (mit der er offensichtlich lange verheiratet war), zum Ausdruck gebracht hat?? Wer es als erste / erster weiß: ein Abendessen im „Tizio“ in Freiburg oder in einem vergleichbaren Restaurant sonstwo in Deutschland (ich merke gerade, dass ich schon etwas Allohol im Blut habe, was lobe ich hier an Preisen aus…😁😁). Und an diesen Film dachte ich, als ich am Palace of Fine Arts diese Bank hier sah:

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Und den Gag des Tages habe ich mir für den Schluss aufgehoben, obwohl ich als Profi-Romantiker eher dazu neige, dem Highlight das Schlusswort zuzugestehen.

Ich komme aus „Brandy Ho’s“ raus, satt und zufrieden, stehe gegenüber dem Flatiron Building, drehe mich um und schaue in einen Friseurladen. Es ist nur ein Kunde drin, ich überlege kurz, und gehe rein. Die Friseuse pflanzt mich in einen Stuhl und legt los. Dass sie nicht jedes einzelne Haar mit Vornamen angesprochen hat, war alles!! Selbst die Augenbrauen wurden erst gerichtet, dann geschnitten, ich kann euch gar nicht sagen, wie oft sie nochmals angesetzt hat und verbessert hat, am Ende kam noch der Rasierer dran, um unter den Koteletten die Barthaare wegzurasieren!!!

Madame am Werk.
Madame am Werk, zwischen mir und  Madame sieht man das Schild…

Ich musste 35 Dollar zahlen, ohne Tip!! Soviel habe ich noch nie für meine wenigen Haare bezahlt. Aber ich habe es gerne bezahlt, weil: als ich da saß, schaute ich in den Spiegel und bemerkte an der gegenüberliegenden Wand ein Schild mit einem Spruch, natürlich spiegelverkehrt. Ich hatte ja nix zu tun, also der Versuch, einen spiegelverkehrten englischen Text zu lesen. Und als ich es raushatte, musste ich laut lachen, dass sogar die Friseuse ihre Arbeit kurz unterbrechen musste:

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Ich bin eine Friseuse, kein Magier!!!

Allen einen schönen Tag, morgen gibt es den letzten Blog, am Donnerstag geht es heim…

Liebe Grüße

Alexander